Exklusiv-Interview der Rundschau mit dem Technischen Leiter beim Wasserverband Weddel-Lehre, Ralf Johannes

„Reines Wasser ist unser tägliches Brot.“

(Von Dieter R. Doden)

 Wasser ist bekanntlich wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Die Qualität des Trinkwassers liegt uns daher besonders am Herzen. Wir wollen, dass es jederzeit gesund, frisch und rein zur Verfügung steht. Gerade jetzt im Sommer genießen wir seine erfrischende Wirkung in vielfältigster Form.

 Oft allerdings schrecken uns Berichte über regionalauftretende Belastungen auf, zum Beispiel durch Überdüngungen der Böden. Wir wollten daher wissen, wie es um die Wasserqualität hier bei uns wirklich steht. Können wir dem kühlen Nass aus der Leitung vollauf vertrauen?

 Verantwortlich für die Wasserversorgung von über 76.000 Einwohnern in dieser Region ist der Wasserverband Weddel-Lehre. Wir hatten Gelegenheit, mit dem Leiter der Trinkwasserversorgung, Ralf Johannes, zu sprechen:


Herr Johannes, trinken Sie das Wasser aus der Leitung?


 Ja, alle aus meiner Familie trinken im Sommer pures Leitungswasser. Sogar meine siebenjährigeTochter…

Donnerwetter, trotz Dauerwerbebeschallung für zuckersüße, braune Brause.

 Wir wissen halt, was gut ist.

Bitte verraten Sie uns, Herr Johannes, woher unser Wasser eigentlich kommt. Aus dem Harz?


 Im Gebiet des Wasserverbandes Weddel-Lehre verteilen wir vier verschiedene Wässer auf die Haushalte: Talsperrenwasser aus dem Harz, Grundwasser aus der Heide von den Stadtwerken Wolfsburg, ein Mischwasser aus Talsperrenwasser und Grundwasser aus dem Raum Wolfenbüttel sowie Grundwasser aus unserem Wasserwerk in Groß Brunsrode.
 Das Harzwasser der Harzwasserwerke, das mit über 60% den größten Teil ausmacht, ist ein reines Oberflächenwasser. Es wird in Talsperren aufgefangen, aufbereitet und über Fernleitungen weitergeleitet. Dadurch, dass der Anteil an Oberflächenwasser so groß ist, haben wir hier in der Region vergleichsweise weiches Wasser. Es setzt den Haushaltsgeräten bei weitem nicht so zu wie hartes. Sprich: Man muss weniger entkalken.

Stimmt es, dass man etwa nach Urlauben erst einmal eine gewisse Menge Wasser ungenutzt ablaufen lassen sollte, bevor man es trinkt?

 Ja, es empfiehlt sich, Wasser, das mehrere Stunden in der Leitung stand, lediglich zum Gießen der Blumen oder zum Abwaschen zu nutzen, es jedoch nicht zu trinken. Das nachfolgende Frischwasser eignet sich dann bestens als Durstlöscher. Bei der Nutzung von Warmwasser sollte eine Aufheiztemperatur von 60 Grad nicht unterschritten werden. So vermeidet man die Verbreitung von Bakterien.

Nach welchen Vorgaben wird das Wasser eigentlich überprüft?


 Seit November 2011 gilt die neue Trinkwasser-Verordnung. Trinkwasser-Verordnungen haben den Sinn und Zweck, die Reinheit des Trinkwassers für den Verbraucher zu definieren. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse fließen in diese Verordnungen mit ein. Übrigens: Kaum ein Lebensmittel wird so intensiv kontrolliert wie unser Wasser. Zu Recht, wie ich meine. Schließlich ist reines Wasser sozusagen unser aller täglich Brot.

Analysiert der Wasserverband selber die Proben?


 Nein, die Proben werden von einem zertifizierten, unabhängigen Institut analysiert. Es gibt diverse Probeentnahmestellen, auch an Orten, an denen es besonders auf höchste Qualität ankommt, wie zum Beispiel in Kindergärten. Wir halten uns selbstverständlich an die gesetzlichen Vorschriften. Bei Hinweisen auf Störstoffe im Wasser sind wir verpflichtet, weitergehende Untersuchungen zu beauftragen. All dies in enger Kooperation mit den umliegenden Gesundheitsämtern.

Können wir also davon ausgehen, dass der Genuss vonTrinkwasser aus der Leitung immer gleichbleibend hochwertig und somit gesund ist? 

 Ja, sofern halt die Hausinstallation in Ordnung ist, also die Wasserleitungen im Haus okay sind.

Dafür ist der Wasserverband aber nicht verantwortlich?

 Nein. Die Hausbesitzer müssen sich darum kümmern, dass für die Hausinstallation optimale Materialien verwendet werden und die Anlage richtig dimensioniert ist. Fehlerhafte Anlagen können das Einfließen von unerwünschten Mikroorganismen begünstigen. Braunfärbungen können übrigens durch verzinkte Leitungen entstehen, sind aber gesundheitlich meist unbedenklich. Der Eigentümer ist angehalten, für alle notwendigen Installationsarbeiten eine von seinem Wasserversorger zugelassene Fachfirma zu beauftragen.

Können sich unsere Leser mit weiteren Fragen an den Wasserverband wenden?

 Ja, gern und jederzeit! Unsere Fachleute stehen für Auskünfte rund ums Thema Wasser selbstverständlich zur Verfügung. Sie sind zu erreichen über den Wasserverband Weddel-Lehre,Hauptstraße 2b in 38162 Cremlingen oder über die Telefon-Nummer 05306 - 9139-0. Im Internet findet man uns unter www.weddel-lehre.de.

Herr Johannes, wir bedanken uns recht herzlich für dieses aufschlussreiche Gespräch!